Es hat geschneit. Sehr viel geschneit. Seid Wochen kann man die weiße Pracht vor dem Fenster bestaunen, oder sich darüber ärgern wenn man das Auto zum tausendsten Mal vom Schnee befreien muss. Die Kinder freuen sich, die Erwachsenen regen sich auf. Man nehme es wie man will, ändern kann man ja doch nichts. Es gibt jedoch Tage die sind einfach nur herrlich, auch wenn massenweise Schnee liegt. Nämlich dann, wenn die Sonne raus kommt. Wenn sie in voller Pracht am tiefblauen Himmel steht und mich mit ihrer Wärme beglückt. Ach, das tut gut, besonders nach diesen vielen langen dunklen grauen Tagen!
An einem solchen Tag beschloss ich einen Spaziergang zu machen um die Gunst der Stunde auszunutzen. Eigentlich sollte ich das öfters tun, wo der Wald doch gleich hinter unserem Haus liegt. Wie das aber so ist mit der Zeit ... ach, das ist ein anderes Thema. Gut gerüstet, das Wichtigste war natürlich neben dem Schal meine Kamera, machte ich mich auf den Weg. So ganz naiv bin ich nicht, auch wenn vielleicht das jetzt jemand denkt. Mir war schon bewusst wie viel Schnee die letzten Wochen gefallen war, und dass ich mich wohl ganz schön anstrengen muss um da durch zu kommen. Ich wagte es aber dennoch, in der Hoffnung, dass andere Sportsfreunde die gleiche Idee hatten und vielleicht schon vor mir durch den Wald gestapft sind. So würde ich einfach in ihre Fußtapfen treten und hätte ein leichtes Vorankommen.

Den ersten Teil des Weges legte ich sehr langsam zurück, aber nicht wegen der Schneemassen. Nein, ich fand einfach so viele schöne Motive zum Fotografieren! Ich war damit so beschäftigt, dass ich auch gar nicht wirklich bemerkte wie schwer es eigentlich war durch den Schnee zu waten. Als es dann aber länger bergauf ging wurde ich durch eine plötzliche Hitzewelle schnell wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht und überdachte mein Vorhaben nochmals ernsthaft. Ich hatte noch nicht einmal ein Viertel der vor mir liegenden Strecke zurückgelegt. Ob ich das wohl schaffen kann? Noch könnte ich umdrehen und zurückkehren. Aber ich wollte noch mehr tolle Bilder schießen und wusste ja was da noch schönes vor mir lag. So entschied ich mich doch weiter zu gehen.
Während dem ich also so weiter stampfte und mich selbst dabei beobachtete wie ich Spuren im Schnee hinterließ, musste ich an die Pioniere denken. Menschen, die einen Weg gehen den es nicht gibt, und den deswegen auch noch nie jemand vor ihnen gegangen ist. Durch den Dschungel zum Beispiel. In Filmen sieht man es manchmal wie sie sich mit der Machete den Weg bahnen, verschwitzt, keuchend, die Haut von Sträuchern zerkratzt. Sie sind angespannt und höchst aufmerksam weil sie nicht wissen ob im Dickicht vor ihnen Gutes oder Böses auf sie wartet.
Aber ich denke dabei nicht nur an natürliche Wege. Ich denke auch an die Leute die einer Vision, einer Idee oder einem Traum gefolgt sind. Menschen, die etwas in dieser Welt bleibend verändert haben. Auch sie haben alles gegeben und sind einfach immer weitergegangen. Sie sind von denen, die immer wieder hofften, glaubten, investierten, gaben oder liebten ... bis sie ihr Zeil erreichten.
Irgendwann war es aber dann soweit. Ich hatte es geahnt und es kam wie es kommen musste. Ich konnte nicht mehr. Zudem hatte ich den schwierigsten Part des Weges erreicht. Es ging nun steil bergauf und schon ohne Schnee habe ich hier immer meine Mühe und schnaufe vor mich hin. Aber was sollte ich jetzt tun? An Umkehr war nicht mehr zu denken. Also blieb mir nichts anderes übrig als weiterzugehen.
Nach einem kurzen Stück, als ich mich erneut fragte wie in aller Welt ich das jemals schaffen soll, kreuzten plötzlich andere Fußtapfen meinen Weg. Wo kamen die denn her? Mit meinem Blick folgte ich den Spuren und entdeckte neben mir einen kleinen Weg. Und wo gehen die Fußtapfen weiter? Ach, welch ein Glückspilz ich bin, genau auf meinem Weg! Beschwingt von dieser guten Nachricht trat ich meinen Aufstieg erneut an, diesmal in den Fußtapfen eines anderen. Welch ein Unterschied! Nie war mir das so bewusst gewesen. Ohne Mühe ging es jetzt voran. Kein Schwitzen mehr, keine Anstrengung, kein Nachdenken wo es wohl am Günstigsten wäre hinzutreten, einfach laufen, einfach folgen, dem Weg eines anderen.
Und wieder denke ich an die Pioniere. Erst jetzt wird mir wirklich klar was es bedeuten kann einen Weg zum ersten Mal zu gehen. Einen ganz neuen Weg zu bahnen. All seine Kraft zu investieren. Zu glauben wo man nichts, aber auch absolut nichts sieht. Aber wie dankbar bin ich auch für denjenigen der hier schon vor mir hergelaufen ist, der mich dadurch nun entlastet. Ich frage mich welche Rolle ich lieber einnehmen würde? Pionier zu sein hat seinen Reiz, unentdecktes Gebiet einzunehmen, einen Traum nicht nur zu träumen sondern ihn auch zu leben. Aber ganz alleine? Würde ich das schaffen? Betrachte ich jedoch meinen Weg hier, dann würde es zu zweit doch schon viel einfacher sein.
Nach etwa doppelter Zeit die ich sonst für diese Strecke brauche, komme ich geschafft aber um eine Erfahrung reicher wieder nach Hause. Noch lange denke ich an die Fußtapfen im Wald. Und ich denke an Jesus. Er ist einen Weg gegangen den niemand vor ihm gegangen ist und den auch niemand jemals hätte gehen können. Den Weg ans Kreuz! Er hat uns einen Weg bereitet der zum Leben führt. Zu einem Leben ohne Schuld, ohne Last, ohne Verdammnis und ohne Verurteilung. Ein Leben mit Liebe, Vergebung, Frieden und Hoffnung. Ich kann in Seine Fußtapfen treten, Ihm auf diesem Weg folgen und ich werde sicher und glücklich das Ziel erreichen. Oder ich gehe meinen Weg alleine weiter und mühe mich ab. Das machen viele, denn es gehört auch ein wenig Demut dazu, in die Fußtapfen eines anderen zu steigen und sich seine eigene Bedürftigkeit einzugestehen. Nach meiner Erfahrung im Wald allerdings, kann ich nur jedem empfehlen die Fußtapfen eines Anderen nicht zu verachten - besonders des Einen!















